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Getreidefreies Hundefutter: Ist Getreide im Hundefutter wirklich schlecht?


Golden Retriever vor verschiedenen Zutaten zur Erklärung von getreidefreiem Hundefutter

Wer sich heute auf die Suche nach einem neuen Hundefutter macht, kommt an einem Begriff kaum vorbei: getreidefrei.


Auf vielen Futtersäcken wird damit geworben und nicht selten entsteht der Eindruck, dass Getreide grundsätzlich schlecht für Hunde sei.

In der Futtermittelberatung erleben wir regelmäßig, dass Hundehalter gezielt nach getreidefreiem Hundefutter suchen. Fragt man jedoch nach dem Grund, stellt sich oft heraus, dass viele Aussagen rund um das Thema auf Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis, Beiträgen in sozialen Medien oder Werbeversprechen beruhen.


Ziel dieses Artikels ist nicht, Getreide grundsätzlich zu verteidigen oder zu verteufeln. Vielmehr möchten wir zeigen, warum sich ein genauer Blick auf die gesamte Zusammensetzung eines Hundefutters lohnt.

Denn wie so oft ist die Antwort nicht schwarz oder weiß.


Was zählt eigentlich zu Getreide?


Wenn über Getreide im Hundefutter gesprochen wird, denken die meisten zunächst an Weizen. Tatsächlich umfasst der Begriff jedoch deutlich mehr.


Zu den häufig verwendeten Getreidearten zählen beispielsweise:

  • Weizen

  • Roggen

  • Gerste

  • Hafer

  • Mais

  • Reis

  • Hirse


Daneben finden sich gelegentlich auch sogenannte Pseudogetreide wie Quinoa, Amaranth oder Buchweizen. Diese werden ähnlich eingesetzt, zählen botanisch betrachtet jedoch nicht zu den klassischen Getreidearten.


Bereits hier wird deutlich:

Getreide ist nicht gleich Getreide.

Die einzelnen Sorten unterscheiden sich sowohl in ihrer Zusammensetzung als auch in ihrer Verträglichkeit.


Getreidearten im Hundefutter: Vergleich von glutenhaltigem und glutenfreiem Getreide für Hunde.

Nicht jedes Getreide enthält Gluten


Viele Hundehalter setzen Getreide automatisch mit Gluten gleich. Tatsächlich enthalten jedoch nicht alle Getreidearten Gluten.

Zu den glutenhaltigen Getreiden gehören beispielsweise Weizen, Roggen und Gerste.

Glutenfrei sind dagegen unter anderem:

  • Reis

  • Mais

  • Hirse


Gerade deshalb sollte man bei vermuteten Unverträglichkeiten genauer hinschauen und nicht alle Getreidearten pauschal in einen Topf werfen.


Ist Getreide im Hundefutter schlecht für Hunde?


Die kurze Antwort lautet:

Nein.

Zumindest nicht grundsätzlich.

In der Beratung erleben wir regelmäßig Hunde, die Reis, Hafer oder Hirse problemlos vertragen und ihr Leben lang damit gefüttert werden können.

Genauso erleben wir aber auch Hunde, die auf bestimmte Zutaten empfindlich reagieren.


Der entscheidende Punkt dabei:

Das betrifft nicht nur Getreide.


Wir sehen immer wieder Hunde, die Kartoffeln nicht gut vertragen. Andere reagieren empfindlich auf Süßkartoffeln. Wieder andere haben Probleme mit bestimmten Proteinquellen.

Genau deshalb schauen wir in der Beratung nie nur auf einzelne Zutaten.

Uns interessiert immer das Gesamtbild und vor allem der Hund, der vor uns sitzt.


Warum ist Getreide überhaupt im Trockenfutter enthalten?


Ein häufiger Vorwurf lautet, dass Getreide lediglich als günstiger Füllstoff eingesetzt wird.

Schauen wir uns das einmal genauer an.

Damit Trockenfutter überhaupt seine Form behält, wird eine Stärkequelle benötigt. Diese kann beispielsweise aus Reis, Hafer, Mais, Kartoffeln oder Süßkartoffeln stammen.

Ohne solche Zutaten wäre die Herstellung vieler Trockenfutter in der bekannten Form kaum möglich.


Die Frage sollte deshalb aus unserer Sicht nicht lauten:

„Warum ist Getreide enthalten?“

Sondern:

„Wie viel davon ist enthalten und welchen Stellenwert hat es innerhalb der gesamten Rezeptur?“


Denn genau dort liegt der eigentliche Unterschied.


Ist getreidefreies Hundefutter wirklich besser?


Diese Frage hören wir beinahe täglich.

Unsere Antwort lautet:

Nicht zwangsläufig.


Viele Hundehalter verbinden getreidefreies Hundefutter automatisch mit einer höheren Qualität. Dabei wird häufig übersehen, dass das Getreide meist nicht einfach verschwindet.


Stattdessen werden andere Kohlenhydratquellen eingesetzt.

Zum Beispiel:

  • Kartoffeln

  • Süßkartoffeln

  • Erbsen

  • Linsen


Das bedeutet nicht, dass diese Zutaten schlecht sind.

Es bedeutet aber auch nicht, dass das Futter automatisch hochwertiger wird.

Oft wird lediglich eine Kohlenhydratquelle durch eine andere ersetzt.


Getreidefreies Hundefutter: Infografik zu häufigen Irrtümern und zur Bedeutung der gesamten Futterzusammensetzung.

DCM und getreidefreies Hundefutter


Ein weiterer Punkt, der in den letzten Jahren immer wieder diskutiert wurde, betrifft die sogenannte dilatative Kardiomyopathie (DCM), eine Herzerkrankung des Hundes.

In verschiedenen Untersuchungen wurde beobachtet, dass einige Hunde mit DCM zuvor über längere Zeit mit bestimmten getreidefreien Futtersorten gefüttert wurden.


Besonders häufig standen dabei Rezepturen im Fokus, die größere Mengen an Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Linsen sowie teilweise auch Kartoffeln enthielten.


Wichtig ist jedoch:

Ein direkter ursächlicher Zusammenhang konnte bislang nicht eindeutig bewiesen werden. Die wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema ist noch nicht abgeschlossen.


Dennoch zeigt dieses Beispiel aus unserer Sicht sehr gut, warum man ein Hundefutter nicht allein danach bewerten sollte, ob es Getreide enthält oder nicht.

Entscheidend bleibt immer die gesamte Zusammensetzung der Rezeptur.

Denn auch bei getreidefreien Futtersorten stellt sich die Frage, welche Zutaten stattdessen verwendet werden und welchen Anteil diese im Futter einnehmen.


Unabhängig von der wissenschaftlichen Diskussion zeigt das Thema jedoch sehr gut, warum man nicht nur darauf achten sollte, was aus einem Futter entfernt wurde, sondern auch darauf, wodurch es ersetzt wurde.


Häufige Irrtümer über getreidefreies Hundefutter


Beim Thema getreidefreies Hundefutter begegnen uns immer wieder die gleichen Missverständnisse.


Getreidefrei bedeutet nicht automatisch hochwertiger.

Getreidefrei bedeutet nicht automatisch mehr Fleisch.


Und eine Verbesserung nach einem Futterwechsel beweist nicht automatisch eine Getreideunverträglichkeit.


Häufig verändern sich gleichzeitig:

  • Proteinquelle

  • Rohstoffqualität

  • Verarbeitung

  • Zusatzstoffe

  • Fettgehalt

  • gesamte Rezeptur


Deshalb lässt sich oft gar nicht eindeutig sagen, welcher Faktor tatsächlich für die Verbesserung verantwortlich war.


Verträgt mein Hund wirklich kein Getreide?


Viele Hundehalter melden sich bei uns, weil ihr Hund unter Verdauungsproblemen, Juckreiz, Hautproblemen oder wiederkehrenden Ohrenproblemen leidet.

Nicht selten fällt dann schnell der Verdacht auf Getreide.


Wird anschließend auf ein getreidefreies Hundefutter umgestellt und die Beschwerden bessern sich, scheint die Ursache gefunden.


Doch so einfach ist es leider oft nicht.

Denn mit dem neuen Futter ändern sich meist viele Dinge gleichzeitig.

Deshalb sind wir bei solchen Schlussfolgerungen grundsätzlich vorsichtig.


Natürlich gibt es Hunde, die bestimmte Getreidearten nicht gut vertragen.

Genauso gibt es jedoch Hunde, die empfindlich auf Kartoffeln, Süßkartoffeln oder bestimmte tierische Proteine reagieren.


Deshalb betrachten wir immer den gesamten Hund und nicht nur eine einzelne Zutat.


Warum die Zutatenliste wichtiger ist als Werbeaussagen


Viele Hundehalter orientieren sich verständlicherweise an Begriffen wie:

  • getreidefrei

  • Monoprotein

  • Premium

  • 70 % Frischfleisch


Doch solche Begriffe erzählen häufig nur einen Teil der Geschichte.

Nehmen wir als Beispiel die häufig beworbenen Frischfleischanteile.


Steht auf einem Futtersack „70 % Frischfleisch“, klingt das zunächst beeindruckend.

Dabei wird jedoch oft vergessen, dass Frischfleisch einen hohen Wasseranteil besitzt.

Die Reihenfolge der Zutaten richtet sich nach ihrem Gewicht zum Zeitpunkt der Herstellung.

Dadurch kann Frischfleisch an erster Stelle der Zutatenliste stehen, obwohl nach dem Wasserentzug deutlich weniger tatsächliche Trockenmasse übrig bleibt.

Gleichzeitig werden Zutaten wie Reis oder Mais häufig bereits in trockener Form verarbeitet.


Das bedeutet nicht, dass die Angabe falsch ist.

Es zeigt lediglich, warum man Zutatenlisten immer im Zusammenhang betrachten sollte.


Infografik zur Frischfleisch-Deklaration im Hundefutter mit Vergleich der Zutatenanteile vor und nach der Verarbeitung.

Brauchen Hunde Kohlenhydrate?


Auch das ist eine Frage, die regelmäßig diskutiert wird.

Der Hund stammt zwar ursprünglich vom Wolf ab, lebt jedoch bereits seit vielen Generationen eng mit dem Menschen zusammen.

In dieser Zeit hat sich auch die Fähigkeit entwickelt, Kohlenhydrate deutlich besser zu verwerten, als häufig angenommen wird.


Das bedeutet nicht, dass ein Futter möglichst viele Kohlenhydrate enthalten sollte.

Es bedeutet aber auch nicht, dass jede Kohlenhydratquelle automatisch problematisch ist.


Viele Hunde kommen mit moderaten Mengen hochwertiger Kohlenhydrate sehr gut zurecht.


Worauf wir bei der Auswahl eines Hundefutters achten


Wenn uns Hundehalter fragen, worauf wir bei der Auswahl eines Hundefutters achten, dann lautet die Antwort nicht:

„Es muss getreidefrei sein.“


Viel wichtiger ist aus unserer Sicht die gesamte Zusammensetzung.

Der Schwerpunkt sollte auf hochwertigen tierischen Bestandteilen liegen.


Wir achten unter anderem auf folgende Fragen:

  • Wie transparent ist die Deklaration?

  • Welche tierischen Bestandteile werden verwendet?

  • Wie hoch ist deren tatsächlicher Anteil?

  • Welche Kohlenhydratquellen kommen zum Einsatz?

  • Ist die Rezeptur nachvollziehbar aufgebaut?

  • Passt das Futter zum individuellen Hund?


Denn letztlich entscheidet nicht eine einzelne Zutat über die Qualität eines Futters, sondern das Zusammenspiel aller Bestandteile.


Häufige Fragen zum Thema getreidefreies Hundefutter


Ist Getreide im Hundefutter schlecht?

Nein. Viele Hunde vertragen Getreide problemlos. Entscheidend sind die verwendete Getreideart, die Menge und die gesamte Rezeptur.


Ist getreidefreies Hundefutter besser?

Nicht automatisch. Häufig werden andere Kohlenhydratquellen wie Kartoffeln, Erbsen oder Linsen eingesetzt.


Können Hunde Reis fressen?

Ja. Reis wird von vielen Hunden gut vertragen und zählt zu den glutenfreien Getreidearten.


Was ist eine Getreideunverträglichkeit beim Hund?

Eine Getreideunverträglichkeit kann sich unter anderem durch Verdauungsprobleme, Juckreiz oder Hautprobleme äußern. Die Symptome können jedoch auch viele andere Ursachen haben.


Brauchen Hunde Kohlenhydrate?

Hunde können Kohlenhydrate verwerten. Entscheidend ist nicht die bloße Anwesenheit von Kohlenhydraten, sondern die gesamte Zusammensetzung des Futters.


Unser Fazit


Getreidefrei ist weder automatisch gut noch automatisch schlecht.

Viel wichtiger als einzelne Schlagwörter auf der Verpackung ist die Frage, wie die gesamte Rezeptur aufgebaut ist und ob sie zum jeweiligen Hund passt.

Genau deshalb empfehlen wir, sich nicht ausschließlich von Werbeaussagen leiten zu lassen, sondern die Zutatenliste genauer anzuschauen und das Gesamtbild zu betrachten.

Denn am Ende zählt nicht, was auf der Vorderseite des Futtersacks steht.

Entscheidend ist, was tatsächlich im Napf landet – und wie gut der eigene Hund damit zurechtkommt.



Verfasst von Matthias Schiedt

Team Pinewoodhuskys

 
 
 

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