Struvitsteine bei Hund und Katze – Ursachen, Behandlung und warum Spezialfutter oft nicht die Lösung ist
- Justin Friedrich
- 9. März
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. März

Struvitsteine gehören zu den häufigsten Harnsteinen bei Hunden und Katzen. Besonders bei Katzen ist dieses Problem sehr weit verbreitet, aber auch Hunde sind regelmäßig betroffen. Viele Tierhalter erfahren davon zufällig bei einer Urinuntersuchung beim Tierarzt. Oft folgt dann sofort die Empfehlung: Spezialfutter und Medikamente.
Doch in vielen Fällen liegt die Lösung viel näher und ist deutlich einfacher.
Ein aktueller Fall aus unserer Beratung zeigt das sehr deutlich: Eine Kundin ließ vorsorglich den Urin ihres Hundes untersuchen. Das Ergebnis: ein leicht erhöhter pH-Wert von etwa 7 und einige wenige Struvitkristalle. Der Tierarzt empfahl sofort ein spezielles Diät-Trockenfutter sowie sogenannte Methio-Tabs zur Ansäuerung des Urins.
Was dabei jedoch überhaupt nicht gefragt wurde: Wie wird der Hund eigentlich gefüttert?
Die Kundin fütterte eine 50-50-Mischung aus Nass- und Trockenfutter. Das Trockenfutter wurde komplett trocken gefüttert. Eine einfache Maßnahme konnte hier bereits helfen: Wasser zum Trockenfutter geben oder den Nassfutteranteil erhöhen. Dadurch steigt automatisch die Flüssigkeitsaufnahme und die Blase wird besser durchgespült.
Allein diese kleine Anpassung kann in vielen Fällen schon ausreichen, um solche Probleme deutlich zu verbessern.
Meine persönliche Erfahrung mit Struvitsteinen
Meine eigene Geschichte mit Struvitsteinen begann übrigens nicht bei einem Hund, sondern bei meinem Kater Mulli. Damals hatte ich mich noch nicht intensiv mit Tierernährung beschäftigt und wusste es schlichtweg nicht besser.
Mulli bekam – wie viele Katzen – das vermeintlich „gute“ Supermarktfutter. Bei uns waren das hauptsächlich „Whiskas“ und „Felix“ Trockenfutter, weil ich davon überzeugt war, meinem Kater damit etwas Gutes zu tun. Schließlich wurden diese Marken überall beworben und galten als hochwertige Katzenfutter.
Leider entwickelte Mulli immer wieder Probleme mit Struvitsteinen. Mehrfach musste er deswegen in die Tierklinik. Einmal war sein Penis sogar komplett verstopft, sodass er mehrere Tage stationär behandelt werden musste und die Blase immer wieder gespült wurde. Wer so etwas einmal erlebt hat, weiß, wie ernst und schmerzhaft diese Erkrankung für das Tier sein kann.
Natürlich haben wir damals auf die Empfehlungen der Tierärzte gehört. Mulli bekam anschließend ein Spezialfutter für Harnsteine, das typische Urinary-Trockenfutter, das in vielen Tierarztpraxen empfohlen wird. In der Theorie sollte dieses Futter die Bildung von Struvitsteinen verhindern.
In der Praxis führte es jedoch leider nicht zu einer echten Verbesserung. Trotz Spezialfutter kam es immer wieder zu Problemen, und Mulli musste erneut in der Klinik behandelt werden. Zusätzlich bekam er verschiedene Medikamente, um die Situation in den Griff zu bekommen.
Erst viel später begann ich mich intensiver mit Tierernährung zu beschäftigen. Dabei wurde mir klar, dass Trockenfutter – besonders bei Problemen mit den Harnwegen – alles andere als ideal ist. Leider kam diese Erkenntnis für Mulli zu spät. Durch die jahrelange Belastung, die wiederholten Behandlungen und die vielen Medikamente starb er schließlich an multiplem Organversagen.
Diese Erfahrung hat mich damals sehr geprägt und war einer der Gründe, warum ich mich heute so intensiv mit dem Thema Tierernährung beschäftige. Gerade bei Erkrankungen wie Struvitsteinen ist es wichtig, nicht nur Symptome zu behandeln, sondern auch die Ursachen zu hinterfragen.
Heute ist es mir deshalb umso wichtiger, andere Tierhalter frühzeitig aufzuklären und ihnen zu helfen, solche Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen oder schneller eine nachhaltige Lösung zu finden.
Symptome von Struvitsteinen bei Hund und Katze
Struvitkristalle oder Struvitsteine können sehr unterschiedliche Symptome verursachen. Gerade zu Beginn bleiben sie oft unbemerkt und werden zufällig bei einer Urinuntersuchung entdeckt.
Typische Anzeichen können sein:
häufiges Wasserlassen
kleine Urinmengen
Schmerzen beim Wasserlassen
Blut im Urin
ständiges Lecken im Genitalbereich
Unruhe oder Schmerzen beim Urinieren
Bei Katzen können die Symptome teilweise sehr dramatisch werden. Besonders bei Katern kann es durch Kristalle zu einer kompletten Verstopfung der Harnröhre kommen. Das ist ein absoluter Notfall und muss sofort tierärztlich behandelt werden.
Auch bei Hunden können größere Struvitsteine zu starken Schmerzen führen, vor allem wenn sie sich bewegen oder den Harnfluss behindern.
Wie werden Struvitsteine diagnostiziert?
Struvitkristalle lassen sich meist relativ einfach nachweisen.
Die häufigste Methode ist eine Urinuntersuchung beim Tierarzt. Dabei wird der Urin unter dem Mikroskop untersucht und es können Kristalle erkannt werden.
Zusätzlich wird meist der pH-Wert des Urins gemessen.
Liegt dieser dauerhaft im alkalischen Bereich, steigt das Risiko für Struvitkristalle deutlich.
Bei größeren Steinen können zusätzlich weitere Untersuchungen nötig sein:
Ultraschall der Blase
Röntgen
Urinkultur zur Bestimmung von Bakterien
Gerade wenn eine bakterielle Infektion vorliegt, ist es wichtig, den genauen Erreger zu bestimmen.
Was sind Struvitsteine?
Struvitsteine bestehen aus Magnesium, Ammonium und Phosphat. Chemisch handelt es sich um Magnesium-Ammonium-Phosphat-Kristalle.
Diese entstehen, wenn Mineralstoffe im Urin auskristallisieren und sich zu festen Ablagerungen verbinden.
Man kann sich das ähnlich vorstellen wie Kalkablagerungen im Wasserkocher. Solange die Stoffe gelöst sind, sieht man nichts. Erst wenn sie ausfallen, entstehen feste Ablagerungen – beim Tier eben Harnsteine.
Struvitkristalle entstehen besonders leicht, wenn der Urin zu basisch wird.
Der optimale pH-Wert des Urins liegt bei etwa 6,0 bis 6,5.
Wie entstehen Struvitsteine?
In den meisten Fällen entstehen Struvitsteine durch bakterielle Harnwegsinfektionen.
Bestimmte Bakterien – vor allem Staphylococcus pseudintermedius – produzieren ein Enzym namens Urease. Dieses spaltet Harnstoff im Urin in Ammoniak.
Der Urin wird dadurch alkalischer und bietet ideale Bedingungen für die Bildung von Struvitkristallen.
Studien zeigen außerdem einige interessante Zusammenhänge:
Hündinnen sind deutlich häufiger betroffen als Rüden
weibliche Hunde haben ein über zehnfach erhöhtes Risiko
besonders häufig betroffen sind Rassen wie Mops, Labrador oder Shih Tzu
das durchschnittliche Alter liegt bei etwa acht Jahren
Neben Infektionen können auch weitere Faktoren eine Rolle spielen:
geringe Flüssigkeitsaufnahme
genetische Veranlagung
mineralstoffreiche Ernährung
Stoffwechselprobleme
Die wichtigste Maßnahme – mehr Flüssigkeit
Die wichtigste Maßnahme bei Struvitproblemen ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.
Je mehr Flüssigkeit aufgenommen wird, desto stärker wird die Blase durchgespült. Dadurch sinkt die Konzentration der Mineralstoffe im Urin.
Die wichtigsten Maßnahmen sind:
Nassfutter statt Trockenfutter
Wasser über das Futter geben
Brühe zum Futter hinzufügen
mehrere Trinkmöglichkeiten anbieten
Gerade bei Katzen spielt die Flüssigkeitsaufnahme eine noch wichtigere Rolle als bei Hunden. Katzen stammen ursprünglich von Wüstentieren ab und haben sich evolutionär daran angepasst, einen Großteil ihres Wasserbedarfs über die Nahrung aufzunehmen. Das bedeutet: Sie trinken von Natur aus relativ wenig.
Wenn Katzen überwiegend Trockenfutter bekommen, entsteht schnell ein Problem. Trockenfutter enthält meist nur etwa 8–10 % Feuchtigkeit. Katzen gleichen diesen Flüssigkeitsmangel jedoch häufig nicht durch zusätzliches Trinken aus. Dadurch kann der Urin stärker konzentriert sein, was wiederum das Risiko für Harnkristalle und Harnsteine erhöhen kann.
Aus diesem Grund empfehlen wir bei Katzen grundsätzlich, hauptsächlich oder ausschließlich Nassfutter zu füttern. Nassfutter enthält in der Regel etwa 70–80 % Wasser und unterstützt damit auf natürliche Weise eine bessere Flüssigkeitsaufnahme. Die Blase wird dadurch regelmäßiger durchgespült und der Urin bleibt weniger konzentriert.
Gerade bei Katzen, die bereits Probleme mit Harnkristallen oder Struvitsteinen hatten, ist eine nassfutterbasierte Ernährung daher eine der wichtigsten Maßnahmen zur Unterstützung der Harnwege.
Warum Trockenfutter bei Struvitproblemen kritisch ist
Trockenfutter enthält meist nur etwa 8–10 % Feuchtigkeit. Nassfutter hingegen etwa 70–80 % Wasser.
Viele Hunde trinken nicht genug, um diesen Unterschied auszugleichen.
Das führt dazu, dass der Urin deutlich konzentrierter ist – und genau das fördert die Bildung von Harnkristallen.
Noch problematischer wird es, wenn man sich die Zusammensetzung vieler sogenannter „Urinary-Diätfutter“ anschaut.
Ein Beispiel ist ein häufig empfohlenes Urinary-Trockenfutter von Royal Canin.
Die Zutatenliste beginnt mit:
Maisfuttermehl
Tierfett
Geflügelprotein
Maiskleberfutter
hydrolysierte tierische Proteine
Lignocellulose
Schon ein kurzer Blick auf diese Zutatenliste zeigt, dass es sich hier um ein stark industriell verarbeitetes Futtermittel handelt. An erster Stelle steht Maisfuttermehl – ein Nebenprodukt aus der Maisverarbeitung. Dabei handelt es sich nicht um ganzen Mais, sondern um ein Restprodukt, das nach der industriellen Stärkegewinnung übrig bleibt.
Für Hunde liefert es zwar Energie, hat aber kaum ernährungsphysiologischen Mehrwert und trägt vor allem nicht zu einer artgerechten Fleischversorgung bei.
Auch Maiskleberfutter ist ein typischer pflanzlicher Rohstoff, die in der Tierfutterindustrie häufig eingesetzt wird, um den Proteingehalt künstlich zu erhöhen. Gerade Maiskleberfutter enthält zwar viel Protein, dieses stammt jedoch aus Pflanzen und hat eine deutlich geringere biologische Wertigkeit als tierisches Eiweiß.
Besonders kritisch ist außerdem die sehr ungenaue Deklaration bei Zutaten wie Geflügelprotein oder hydrolysierte tierische Proteine. Hier wird nicht angegeben, von welchen Tierarten oder welchen Teilen des Tieres diese Proteine stammen. In der Praxis handelt es sich dabei häufig um stark verarbeitete Proteinmehle aus verschiedenen tierischen Nebenprodukten. Warum solche Deklarationen problematisch sind und was sich hinter Begriffen wie „Geflügelprotein“ tatsächlich verbergen kann, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag: https://www.pinewoodhuskys.de/post/gefl%C3%BCgelprotein
Ein weiterer Punkt ist Lignocellulose. Dabei handelt es sich um pflanzliche Faserstoffe, die aus Holzbestandteilen gewonnen werden. Vereinfacht gesagt: stark aufbereitete Pflanzenfasern, die vor allem als Füllstoff eingesetzt werden, um das Volumen des Futters zu erhöhen und die Kaloriendichte zu reduzieren.
Insgesamt zeigt diese Zusammensetzung sehr deutlich, dass solche sogenannten Spezialfutter häufig aus hochverarbeiteten Rohstoffen, pflanzlichen Nebenprodukten und unspezifisch deklarierten Proteinquellen bestehen. Ein echter Fleischanteil spielt hier oft nur eine untergeordnete Rolle. Für ein Tier, das biologisch auf eine fleischreiche Ernährung ausgelegt ist, ist das alles andere als eine optimale Grundlage für eine gesunde Ernährung – ganz besonders dann nicht, wenn bereits Probleme mit Harnsteinen bestehen.
Medikamente wie Methio-Tabs – sinnvoll oder nicht?
Häufig werden sogenannte Methio-Tabs verschrieben. Diese enthalten den Wirkstoff DL-Methionin, der den Urin ansäuert.
Grundsätzlich kann das sinnvoll sein, wenn der Urin tatsächlich dauerhaft zu basisch ist.
Problematisch ist jedoch häufig die Zusammensetzung der Tabletten.
Zusammensetzung
Magermilchpulver
Kartoffelstärke
Calciumstearat
Kartoffelstärke kann problematisch sein, da sie im Stoffwechsel zu Zucker und teilweise zu Gärungsprodukten umgebaut wird.
Magermilchpulver enthält Milchzucker, den viele Hunde und Katzen schlecht vertragen.
Calciumstearat ist lediglich ein technisches Hilfsmittel aus der Tablettenproduktion.
Natürliche Unterstützung für die Harnwege
Eine sinnvollere Alternative können natürliche Ergänzungen sein.
Ein Beispiel ist der Methio-Komplex von Waldkraft:
Dieser enthält neben Methionin auch Hagebuttenpulver und Cranberrypulver.
Cranberry
Cranberry enthält sogenannte Proanthocyanidine. Diese können verhindern, dass sich Bakterien an der Blasenwand festsetzen.
Hagebutte
Hagebutten liefern viel Vitamin C und Antioxidantien. Diese können entzündungshemmend wirken und das Immunsystem unterstützen.
Wie kann man Struvitsteinen vorbeugen?
Die beste Strategie ist Vorbeugung.
Mehr Flüssigkeit
Nassfutter bevorzugen
Wasser oder Brühe über das Futter geben
Hochwertiges Futter
Vermeide stark verarbeitete Futtermittel mit vielen Zusatzstoffen und unklarer Deklaration.
pH-Wert regelmäßig kontrollieren
Mit pH-Teststreifen aus der Apotheke kann der Urin zu Hause kontrolliert werden.
Fazit
Struvitsteine sind ein ernstzunehmendes Problem, lassen sich aber in vielen Fällen gut in den Griff bekommen.
Mehr Flüssigkeit, eine hochwertige Ernährung und regelmäßige Kontrollen des Urin-pH-Werts können bereits einen großen Unterschied machen.
Leider wird häufig vorschnell zu Spezialfutter und Medikamenten gegriffen, ohne die grundlegenden Ursachen zu betrachten.
Dabei liegt die Lösung oft viel näher – und ist deutlich natürlicher.



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