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Synthetische Vitamine im Hundefutter – warum „bedarfsdeckend“ nach Tabelle nicht gleich gesund ist

Aktualisiert: 5. Feb.


Waage mit natürlichem Hundefutter aus frischem Fleisch, Gemüse und Ei auf der einen Seite und synthetischen Vitaminen, Pulvern sowie Laborutensilien auf der anderen – symbolischer Vergleich zwischen Naturfutter und künstlichen Zusatzstoffen im Hundefutter.

Warum synthetische Vitamine im Hundefutter problematisch sein können – und weshalb Naturfutter keine Tabellenwerte erfüllen muss


Immer mehr Hunde entwickeln chronische Beschwerden wie Juckreiz, Haut- und Fellprobleme, Verdauungsstörungen, Leberbelastungen oder hormonelle Dysbalancen. Gleichzeitig erfüllen viele Alleinfuttermittel alle offiziellen Empfehlungen und gelten als bedarfsdeckend. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich erklären, wenn man die Rolle von zugesetzten Vitaminen, ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen und technologischen Zusatzstoffen im Hundefutter versteht – und wenn man begreift, warum Tabellenwerte Biologie nur unvollständig abbilden.


In diesem Beitrag erfährst du:


  • was Zusatzstoffe im Hundefutter wirklich leisten,

  • warum künstliche Vitamine biologisch nicht gleichwertig sind,

  • weshalb „bedarfsdeckend nach Tabelle“ nicht automatisch gesund bedeutet,

  • und warum ein hochwertiges Naturfutter keine Tabellenwerte erfüllen muss, um optimal zu versorgen.


Zusatzstoffe im Hundefutter – Einordnung statt Pauschalurteil


Die Frage „Zusatzstoffe im Hundefutter?“ lässt sich nur differenziert beantworten. Entscheidend ist, welche Art von Zusatzstoff eingesetzt wird und warum.


Technologische Zusatzstoffe im Hundefutter


Technologische Zusatzstoffe dienen der Herstellung, Stabilität und Haltbarkeit – nicht der Nährstoffversorgung. Typische Beispiele:


  • Konservierungsstoffe

  • Antioxidantien zur Haltbarmachung

  • Emulgatoren, Bindemittel, Trennmittel


Sie sind funktional für die Industrie, haben aber keinen ernährungsphysiologischen Nutzen für den Hund.


Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe / Synthetische Vitamine


Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe sollen Nährstofflücken schließen, die durch Verarbeitung entstehen. Dazu zählen:


  • Vitamine und Provitamine

  • Spurenelemente (z. B. Zink, Eisen, Kupfer, Selen)

  • Aminosäuren (z. B. Taurin, Methionin)


Wichtig: Sie reparieren Verluste der Industrie, sie ersetzen keine natürliche Nährstoffmatrix.


Warum synthetische Vitamine zugesetzt werden müssen


Bei der industriellen Herstellung von Hundefutter kommen Verfahren wie Extrusion, starke Erhitzung, Trocknung und lange Lagerzeiten zum Einsatz. Diese Prozesse sind effizient, haben aber einen klaren Nachteil: Natürliche Vitamine, Enzyme und sekundäre Pflanzenstoffe werden dabei zu einem großen Teil zerstört oder in ihrer biologischen Wirksamkeit deutlich reduziert.

Das fertige Produkt enthält zwar noch Kalorien und Grundnährstoffe, ist jedoch hinsichtlich der Mikronährstoffe nicht mehr vollständig.


Damit das Futter dennoch als „bedarfsdeckend“ gilt, müssen Vitamine und Mineralstoffe im Anschluss künstlich zugesetzt werden.

Diese liegen dann in isolierter, standardisierter Form vor – rechnerisch exakt dosiert, biologisch jedoch deutlich vereinfacht.

Das Futter erfüllt Tabellenwerte, ersetzt aber nicht die natürliche Nährstoffvielfalt, die ursprünglich in den Rohstoffen vorhanden war.


Schonend hergestellte Naturfuttermittel verfolgen einen anderen Ansatz. Durch Verfahren wie Kaltpressung, niedrige Verarbeitungstemperaturen oder schonende Kaltabfüllung und Dampfgarung mit kurzen Erhitzungsphasen bleiben natürliche Vitamine, Spurenelemente und Begleitstoffe weitgehend erhalten.

Hochwertige, naturbelassene Zutaten bringen ihre Nährstoffe bereits in einer biologisch sinnvollen Form mit – eingebettet in ihre natürliche Matrix.


Dadurch kann ein solches Futter den Hund versorgen, ohne auf künstlich zugesetzte Vitamine angewiesen zu sein. Nicht die nachträgliche Korrektur durch Zusatzstoffe steht im Vordergrund, sondern der Erhalt dessen, was von Natur aus im Futter enthalten ist.


Ein verständlicher Vergleich aus dem Alltag


Ein hilfreicher Vergleich ist unsere eigene Ernährung. Wenn wir uns ausgewogen, abwechslungsreich und mit hochwertigen Lebensmitteln ernähren, benötigen wir im Alltag keine synthetischen Vitamintabletten – obwohl ein Großteil unserer Nahrung gekocht, gebacken oder erhitzt ist. Auch Kinder wachsen von Beginn an mit überwiegend gekochter Nahrung auf, ohne dass automatisch künstliche Vitaminpräparate notwendig sind.


Entscheidend ist nicht, ob Nahrung erhitzt wurde, sondern woraus sie besteht, wie hochwertig die Rohstoffe sind und wie schonend sie verarbeitet werden. Frische Zutaten, natürliche Vielfalt und Abwechslung liefern Vitamine immer im Verbund mit ihren natürlichen Begleitstoffen. Genau diese Kombination ermöglicht dem Körper eine sinnvolle Aufnahme und Regulation.


Übertragen auf Hundefutter bedeutet das: Wird mit hochwertigen Rohstoffen gearbeitet und möglichst schonend verarbeitet, können natürliche Vitamine auch nach dem Herstellungsprozess ausreichend vorhanden sein. Die pauschale Aussage, erhitztes oder gekochtes Futter müsse zwangsläufig mit synthetischen Vitaminen ergänzt werden, greift daher zu kurz. Nicht die Verarbeitung allein ist das Problem – sondern die Qualität und Zusammensetzung der Ausgangsstoffe.


Natürlich ≠ synthetisch – der biologische Unterschied


Der Satz „Vitamin ist Vitamin“ greift zu kurz.


Natürliche Vitamine


  • liegen eingebettet in einer Nährstoffmatrix vor,

  • enthalten Co-Faktoren, Enzyme und Gegenspieler,

  • werden bedarfsgerecht aufgenommen,

  • Überschüsse werden reguliert ausgeschieden.


Synthetische Vitamine


  • liegen isoliert vor,

  • sind hochkonzentriert und standardisiert,

  • umgehen teilweise natürliche Resorptionskontrollen,

  • können bei Dauerzufuhr Ungleichgewichte fördern.


Bioverfügbarkeit vs. biologische Sinnhaftigkeit


„Hohe Bioverfügbarkeit“ bedeutet oft nur: schnelle Aufnahme ins Blut. Biologisch sinnvoll ist jedoch, wie ein Stoff genutzt, reguliert und in den Stoffwechsel eingebunden wird.


Natürliche Vitaminformen zeigen hier Vorteile – belegt u. a. für Vitamin C und Vitamin E.



Konkreter Vergleich natürlicher und synthetischer Vitamin- und Mineralstoffformen


Vergleichstabelle natürlicher und synthetischer Vitamine und Mineralstoffe im Hundefutter: Darstellung natürlicher Vitaminformen mit höherer biologischer Verfügbarkeit gegenüber synthetischen, isolierten Vitamin- und Mineralsalzen sowie deren unterschiedliche Verwertung im Organismus des Hundes.

Homöostase – warum Gleichgewicht wichtiger ist als Menge


Der Organismus des Hundes ist kein statisches System, sondern ein fein reguliertes Gleichgewicht. Über die sogenannte Homöostase steuert der Körper fortlaufend Aufnahme, Nutzung, Speicherung und Ausscheidung von Nährstoffen.

Entscheidend ist dabei nicht die isolierte Menge eines einzelnen Vitamins oder Mineralstoffs, sondern das Zusammenspiel verschiedener Nährstoffe.


Besonders relevant sind dabei antagonistische und synergistische Beziehungen, zum Beispiel:


Calcium ↔ Magnesium/Zink

Vitamin A ↔ Vitamin D

Vitamin E ↔ Vitamin C

Kupfer ↔ Zink


Diese Stoffe beeinflussen sich gegenseitig in Aufnahme und Wirkung. Wird ein Nährstoff dauerhaft isoliert und in gleichbleibender Menge zugeführt – wie es bei zugesetzten synthetischen Vitaminen häufig der Fall ist – kann dieses empfindliche Gleichgewicht aus dem Lot geraten. Die Fähigkeit des Körpers zur natürlichen Selbstregulation nimmt dabei schleichend ab.


Solche Verschiebungen zeigen sich meist nicht sofort, sondern entwickeln sich über längere Zeiträume. Haut- und Fellprobleme, Stoffwechselbelastungen oder eine erhöhte Sensibilität gegenüber Futterwechseln können mögliche Folgen sein, ohne dass einzelne Laborwerte zwingend auffällig werden.


Natürliche Nährstoffquellen wirken anders: Sie liefern Vitamine und Mineralstoffe eingebettet in ihre biologische Matrix, in variabler Zusammensetzung und mit natürlichen Gegenspielern. Genau diese natürliche Variabilität unterstützt die Homöostase – und zeigt, warum starre Tabellenwerte nur einen begrenzten Aussagewert haben.


Studien zu isolierten Vitaminen – was sie zeigen (und was nicht)


Große Humanstudien verdeutlichen, dass isolierte Hochdosierungen nicht automatisch gesund sind:



Diese Studien zeigen nicht, dass Vitamine schädlich sind, sondern dass isolierte synthetische Formen anders wirken als natürliche Nährstoffkomplexe.


Was bedeutet „bedarfsdeckend“ wirklich?


Die gängigen Bedarfs- und Tabellenwerke wie NRC, FEDIAF oder AAFCO bilden die Grundlage für die rechtliche Bewertung von Hundefutter. Diese Empfehlungen basieren überwiegend auf:


  • Modellrechnungen,

  • synthetischen Referenzstoffen,

  • pauschalen Sicherheitszuschlägen.


Erfasst werden dabei vor allem Mengenangaben pro Kilogramm Futter oder Energieeinheit. Was diese Systeme jedoch nicht abbilden, ist die tatsächliche biologische Verwertung im Organismus. Sie sagen nichts darüber aus, wie gut ein Nährstoff aufgenommen, reguliert, gespeichert oder ausgeschieden wird.


Faktoren wie natürliche Bioverfügbarkeit, Nährstoffmatrix, Wechselwirkungen zwischen Vitaminen und Mineralstoffen sowie die Homöostase des Körpers bleiben weitgehend unberücksichtigt.


Ein Futter kann daher alle Tabellenwerte erfüllen und dennoch langfristig ungünstig wirken – oder rechnerisch darunter liegen und den Hund biologisch optimal versorgen.

„Bedarfsdeckend“ ist somit ein formaler Begriff, kein Synonym für Gesundheit oder biologische Qualität.


Warum Naturfutter keine Tabellenwerte erfüllen muss


Ein hochwertiges Naturfutter


  • liefert Vitamine in natürlicher Form,

  • nutzt hohe biologische Verfügbarkeit,

  • unterstützt Selbstregulation,

  • vermeidet isolierte Hochdosierungen.


Es kann rechnerisch unter Tabellenwerten liegen und dennoch optimal versorgen.


Warum viele Naturfuttermittel heute als Ergänzungsfuttermittel deklariert sind


In den letzten Jahren wurden zahlreiche Naturfuttermittel, die über viele Jahre hinweg als Alleinfuttermittel deklariert waren, nachträglich zu Ergänzungsfuttermitteln umgestuft – oft ohne jede Änderung an Rezeptur, Rohstoffen oder Verarbeitung. Auffällig ist: Diese Entwicklung betrifft nahezu ausschließlich Futtermittel ohne synthetische Vitamine.


Hintergrund ist weniger eine neue wissenschaftliche Erkenntnis, sondern zunehmender regulatorischer Druck, der maßgeblich von den Interessen großer Futtermittelindustrien geprägt ist. Über Lobbyarbeit fließen immer strengere Auslegungen von Tabellenwerten und formalen Vorgaben in die Bewertung ein – Werte, die primär auf synthetischen Referenzstoffen basieren.


Naturfutter, das biologisch hochwertig ist, sich aber nicht exakt in diese Rechenmodelle pressen lässt, fällt dadurch formal durchs Raster.


Die Deklaration als Ergänzungsfuttermittel sagt daher nichts über die tatsächliche Versorgungsqualität aus, sondern vor allem darüber, wie stark sich ein Futter an industrienahe Vorgabensysteme anpasst. Für Hunde, die über Jahre sichtbar von solchen Naturfuttern profitiert haben, ändert sich faktisch nichts – außer der rechtlichen Bezeichnung.


Warum viele Hunde trotz „perfekter Werte“ auf dem Papier Probleme entwickeln


Praxisbeobachtungen zeigen:


  • lebenslange Fütterung desselben Futters,

  • täglich identische zugesetzte Vitamine,

  • keine natürliche Schwankung.


Synthetische Vitamine sind kein einzelner Auslöser – aber ein dauerhafter Stressfaktor.


Fazit – weniger rechnen, mehr verstehen


Zusatzstoffe im Hundefutter sind nicht per se schlecht.

In vielen industriellen Futtersorten sind sie notwendig, um Verluste auszugleichen. Doch sie sind kein Qualitätsmerkmal – und schon gar kein Garant für langfristige Gesundheit.


Warum wir in der Praxis nicht immer sofort auf Naturfutter setzen


Auch wenn wir naturbelassene, schonend hergestellte Futtermittel bevorzugen, ist ein direkter Umstieg nicht in jedem Fall sinnvoll. In vielen Futterberatungen sehen wir Hunde, die über Jahre mit stark verarbeitetem Industriefutter gefüttert wurden, häufig chemisch entwurmt oder medikamentös behandelt wurden.

Die Darmflora ist in diesen Fällen oft deutlich geschwächt.


Solche Hunde können rohstoffreiches oder kaltgepresstes Futter anfangs häufig nicht optimal verwerten. Der Darm hat verlernt, mit echter Nahrung zu arbeiten. Das zeigt sich unter anderem daran, dass bei einer Umstellung vorübergehend mehr Kot abgesetzt wird. Warum das ein normales Zeichen von Anpassung sein kann, erklären wir hier ausführlich:


Warum setzt mein Hund durch kaltgepresstes Futter vorübergehend mehr Kot ab


Da nicht jeder direkt einen konsequenten Darmaufbau starten möchte, gehen wir in der Praxis häufig einen Zwischenschritt. Ein hochwertiges, warmgepresstes Trockenfutter mit zugesetzten Vitaminen kann dem Darm helfen, sich langsam wieder an bessere Rohstoffe zu gewöhnen – vorausgesetzt, die Zusammensetzung ist hochwertig und fleischbetont.


Idealerweise wird dieser Weg von einem gezielten Darmaufbau über mehrere Wochen begleitet. In den meisten Fällen ist danach eine schrittweise Umstellung auf ein kaltgepresstes Naturfutter problemlos möglich.


Nur ein sehr kleiner Teil der Hunde bleibt dauerhaft empfindlich. Entscheidend ist dabei fast immer Geduld und Konsequenz – denn ein Darm wird nur dann gesund und belastbar, wenn er wieder lernen darf, echte Nahrung zu verdauen.


Ein gutes Naturfutter:


  • braucht keine künstlichen Vitamine,

  • muss nicht streng tabellenkonform sein,

  • orientiert sich an biologischer Verwertung statt an Rechenmodellen.


Entscheidend ist nicht, ob ein Futter rechnerisch als bedarfsdeckend gilt, sondern wie der Hund es aufnimmt, verarbeitet und verträgt. Nicht alles, was formal alle Werte erfüllt, ist automatisch gesund.


Aus unserer täglichen Praxis in der Futterberatung sehen wir seit vielen Jahren, wie deutlich Hunde auf naturbelassene, schonend hergestellte Futtermittel ohne synthetische Vitamine reagieren können: stabilere Verdauung, besseres Haut- und Fellbild, mehr Vitalität und oft eine spürbare Entlastung des Stoffwechsels.


Diese Erfahrungen stammen nicht aus Tabellen, sondern aus der Arbeit mit vielen unterschiedlichen Hunden und individuellen Ausgangssituationen.


Wenn du unsicher bist, welches Futter für deinen Hund wirklich passt, unterstützen wir dich gerne. Auf unserer Seite findest du ausführliche Futteranalysen sowie die Möglichkeit, dich kostenlos und unverbindlich zur individuellen Futterberatung anzumelden. Zu allen Fragen rund um Hund, Ernährung und Fütterung stehen wir dir mit Erfahrung, Fachwissen und ehrlicher Einschätzung zur Seite.



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