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Die Zutatenliste verstehen - Teil 1: Fleischangaben, Frischfleisch, Fleischmehl, Geflügelprotein, Deklaration.

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Titelbild zum Thema Hundefutter-Deklaration verstehen. Eine junge weiße Husky-Hündin sitzt neben verschiedenen Fleischzutaten, Fleischmehl und einer Futtermitteldose mit Zutatenliste. Eine Lupe und mehrere Hinweisschilder veranschaulichen die Themen Fleischanteile, Frischfleisch, Fleischmehl und Transparenz bei der Deklaration von Hundefutter. Die Grafik dient als Einführung in die Bewertung und den Vergleich von Hundefutter-Zutaten.

Wer sich auf die Suche nach einem passenden Hundefutter macht, wird früher oder später mit beeindruckenden Angaben auf den Verpackungen konfrontiert. 70 % Frischfleisch, 90 % Fleischanteil oder besonders hochwertige Proteinquellen sollen zeigen, dass es sich um ein hochwertiges Produkt handelt.


Doch was sagen diese Angaben eigentlich wirklich aus?

In meiner täglichen Futterberatung stelle ich immer wieder fest, dass viele Hundehalter einzelne Angaben auf der Verpackung miteinander vergleichen. Häufig stehen dabei Fleischanteile oder bestimmte Zutaten im Mittelpunkt.


Doch weder Werbeaussagen auf der Vorderseite noch einzelne Angaben in der Deklaration liefern für sich allein ein vollständiges Bild. Auch Zutatenlisten können sich erheblich in ihrer Aussagekraft unterscheiden.


Genau deshalb möchte ich in diesem Artikel einige der häufigsten Missverständnisse rund um Fleischangaben und tierische Proteinquellen aufgreifen und erklären, worauf man bei der Bewertung eines Futters tatsächlich achten sollte.


Gesetzeskonform bedeutet nicht automatisch gleich transparent


Ein wichtiger Hinweis vorweg: Die unterschiedlichen Deklarationsformen im Hundefutter sind grundsätzlich gesetzlich zulässig. Hersteller müssen sich an klare Vorgaben halten und dürfen bestimmte Begriffe nicht beliebig verwenden.


Die unterschiedlichen Deklarationsformen im Hundefutter sind nicht frei erfunden, sondern basieren auf gesetzlichen Vorgaben der Europäischen Union. Die rechtliche Grundlage bildet die Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln.


Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Deklarationen für den Hundehalter gleich aussagekräftig sind. Manche Angaben liefern sehr genaue Informationen über die verwendeten Rohstoffe und deren Zusammensetzung. Andere lassen mehr Interpretationsspielraum zu oder erschweren einen direkten Vergleich zwischen verschiedenen Produkten.


Das betrifft nicht nur die Bezeichnung tierischer Zutaten, sondern beispielsweise auch die Angabe von Fleischanteilen, die Deklaration von Fleischbrühe oder Wasser sowie die Art, wie einzelne Rohstoffe zusammengefasst oder aufgeschlüsselt werden.


Deshalb geht es in diesem Artikel nicht darum, bestimmte Deklarationen pauschal als richtig oder falsch zu bewerten. Vielmehr möchten wir dabei helfen, die Angaben auf der Zutatenliste besser einzuordnen. Denn je transparenter eine Deklaration ist, desto leichter lässt sich nachvollziehen, was tatsächlich im Napf landet.


Frischfleisch im Trockenfutter – mehr als nur eine Prozentzahl


Beginnen wir mit einer der bekanntesten Angaben überhaupt: Frischfleisch.

Wenn auf einem Trockenfutter beispielsweise 70 % frisches Hühnerfleisch angegeben werden, klingt das zunächst sehr beeindruckend. Viele Hundehalter gehen automatisch davon aus, dass im fertigen Futter auch ein entsprechend hoher Fleischanteil enthalten ist.


Dabei wird häufig übersehen, dass Frischfleisch zu einem großen Teil aus Wasser besteht. Je nach Tierart enthält frisches Fleisch oft rund 70 bis 80 Prozent Wasser. Während der Herstellung von Trockenfutter wird dieses Wasser entzogen. Dadurch verändert sich das Verhältnis der Zutaten im fertigen Produkt erheblich.


Vereinfacht gesagt: Aus einer großen Menge Frischfleisch bleibt nach dem Trocknungsprozess deutlich weniger Trockenmasse übrig. Genau deshalb lassen sich Frischfleischangaben auf der Verpackung nicht ohne Weiteres mit dem tatsächlichen Anteil im fertigen Trockenfutter gleichsetzen.


Wichtig ist dabei: Die Angabe von Frischfleisch ist weder falsch noch irreführend. Im Gegenteil. Frischfleisch ist eine klar definierte Rohware und grundsätzlich positiv zu bewerten. Problematisch wird es erst dann, wenn man die Prozentangabe falsch interpretiert.


Die Zahl auf der Verpackung beschreibt die eingesetzte Rohware vor der Verarbeitung – nicht automatisch den tatsächlichen Fleischanteil im fertigen Trockenfutter.

Deshalb lohnt es sich immer, die komplette Deklaration zu betrachten und nicht nur die größte Zahl auf der Verpackung.


Infografik zur Erklärung von Frischfleisch im Trockenfutter. Die Grafik zeigt anhand eines Beispiels mit 70 % frischem Hühnerfleisch, dass Frischfleisch zu etwa 75 % aus Wasser besteht. Während der Herstellung von Trockenfutter wird dieses Wasser entzogen, sodass von 700 g Frischfleisch nur noch 175 g Trockenmasse übrig bleiben. Die Berechnung verdeutlicht, dass 70 % Frischfleisch in der Rezeptur nicht automatisch 70 % Fleischanteil im fertigen Trockenfutter entsprechen, sondern in diesem Beispiel etwa 17,5 % Trockenmasse.


Frischfleisch, Trockenfleisch oder Fleischmehl – wo liegen die Unterschiede?


Viele Hundehalter verbinden Frischfleisch automatisch mit hoher Qualität und Fleischmehl automatisch mit minderwertigen Zutaten. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.


Frischfleisch enthält einen hohen Wasseranteil und wird erst während der Herstellung getrocknet.

Trockenfleisch hingegen liegt bereits in getrockneter Form vor. Dadurch lassen sich die tatsächlichen Mengen im Futter oft besser einschätzen, da keine großen Wasserverluste mehr berücksichtigt werden müssen.


Ähnlich verhält es sich mit Fleischmehl. Hier wurde die Rohware zunächst getrocknet und anschließend vermahlen. Der Begriff beschreibt in erster Linie die Verarbeitungsform und sagt allein noch nichts über die Qualität der verwendeten Rohstoffe aus.

Der oftmals schlechte Ruf von Fleischmehl stammt vor allem daher, dass viele Hundehalter den Begriff mit minderwertigen Rohstoffen verbinden. Tatsächlich sagt die Bezeichnung jedoch zunächst nur aus, dass die Rohware getrocknet und verarbeitet wurde.


Für die Bewertung eines Futters ist deshalb nicht nur entscheidend, ob Frischfleisch, Trockenfleisch oder Fleischmehl verwendet wird. Ebenso wichtig ist die Frage, wie genau die Zutaten beschrieben werden.

Denn auch innerhalb einer Deklaration können Angaben sehr unterschiedlich ausfallen. Während einige Hersteller die verwendeten Rohstoffe sehr präzise beschreiben, bleiben andere Formulierungen deutlich allgemeiner.


Je genauer die Angaben sind, desto besser kann der Hundehalter nachvollziehen, welche Zutaten tatsächlich verwendet wurden.



Nicht jede Fleischangabe sagt das Gleiche aus


Ein besonders wichtiger Unterschied besteht zwischen Angaben wie „Hühnerfleisch“, „Huhn“, „Geflügelprotein“ oder „tierische Proteine“.

Auf den ersten Blick wirken diese Begriffe ähnlich. Tatsächlich unterscheiden sie sich jedoch deutlich in ihrer Aussagekraft.


Wird ausdrücklich „Hühnerfleisch“ angegeben, beschreibt die Deklaration sehr konkret, welche Rohware verwendet wurde. Der Hundehalter erhält dadurch eine vergleichsweise genaue Information über die eingesetzten Zutaten.


Allgemeinere Begriffe wie „Huhn“ lassen bereits mehr Interpretationsspielraum zu. Noch weniger Informationen liefern Bezeichnungen wie „Geflügelprotein“ oder „tierische Proteine“. Aus solchen Angaben lässt sich häufig nicht erkennen, welche Bestandteile der jeweiligen Tierart tatsächlich verwendet wurden.


Das bedeutet nicht automatisch, dass die verwendeten Rohstoffe minderwertig sind. Es bedeutet jedoch, dass der Hundehalter deutlich weniger Informationen erhält.

Je allgemeiner eine Zutat beschrieben wird, desto schwieriger wird es, die Zusammensetzung des Futters selbst einzuschätzen.


Genau zu dem Thema Geflügelprotein haben wir bereits einen Blog-Beitrag verfasst, in dem dieses Thema einmal genauer unter die Lupe genommen wird:


Vereinfacht gesagt: Je genauer die Deklaration, desto mehr Informationen erhält der Hundehalter.


Genau deshalb bevorzuge ich möglichst präzise Deklarationen, bei denen nachvollziehbar ist, welche Rohstoffe tatsächlich eingesetzt wurden.

Für mich ist dabei nicht entscheidend, ob ein Hersteller Frischfleisch, Trockenfleisch oder Fleischmehl verwendet.

Viel wichtiger ist die Frage, wie offen und transparent er mit seinen Zutaten umgeht.


Je genauer eine Zutat beschrieben wird, desto einfacher kann sich der Hundehalter eine eigene Meinung bilden.


Infografik zum Vergleich verschiedener Fleischangaben in der Deklaration von Hundefutter. Die Grafik zeigt die unterschiedliche Aussagekraft der Begriffe „Hühnerfleisch“, „Huhn“, „Geflügelprotein“ und „tierische Proteine“. Während „Hühnerfleisch“ eine sehr konkrete und transparente Angabe darstellt, werden die Bezeichnungen nach rechts zunehmend allgemeiner und liefern weniger Informationen über die tatsächlich verwendeten Rohstoffe. Die Grafik verdeutlicht, dass präzise Deklarationen Hundehaltern helfen, die Zusammensetzung eines Futters besser nachzuvollziehen und einzuschätzen.


Tierische Nebenerzeugnisse – schlechter Ruf, oft besser als gedacht


Kaum ein Begriff sorgt für so viele Diskussionen wie tierische Nebenerzeugnisse.

Viele Hundehalter verbinden damit automatisch minderwertige Bestandteile oder Abfälle. Tatsächlich können jedoch auch Herz, Leber, Magen oder andere Innereien unter diesen Begriff fallen.


Gerade diese Bestandteile liefern häufig wertvolle Nährstoffe und gehören für viele Hunde zu einer natürlichen Ernährung dazu. Wer sich beispielsweise mit BARF oder Beutetierfütterung beschäftigt, wird schnell feststellen, dass Innereien dort oftmals einen festen Bestandteil der Ration darstellen.

Deshalb halte ich es für falsch, tierische Nebenerzeugnisse grundsätzlich negativ zu bewerten.


Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel aber auch, wie wichtig Transparenz bei der Deklaration ist. Denn der Begriff allein verrät dem Hundehalter noch nicht, welche Bestandteile tatsächlich verwendet wurden.


Je genauer beschrieben wird, welche Bestandteile enthalten sind, desto besser kann die Zusammensetzung beurteilt werden. Eine detaillierte Deklaration schafft Vertrauen und ermöglicht es dem Käufer, selbst zu entscheiden, ob die verwendeten Zutaten seinen Vorstellungen entsprechen.



Fleischanteile im Nassfutter richtig verstehen


Auch bei Nassfutter lohnt sich ein genauer Blick auf die Deklaration.

Genau an dieser Stelle entstehen in der Praxis viele Missverständnisse.

In meinen Beratungen höre ich regelmäßig Aussagen wie:

„Warum hat dieses Futter 90 % Fleisch und das andere nur 60 %?“

Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach zu sein. Mehr Fleisch muss schließlich besser sein.


Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch häufig, dass die Angaben unterschiedlich zustande kommen.


Fleisch besteht zu einem erheblichen Teil aus Wasser. Zusätzlich wird bei der Herstellung vieler Nassfutter Wasser oder Fleischbrühe verwendet, die für den Kochprozess notwendig sind.


Hersteller gehen mit diesen Bestandteilen unterschiedlich um. Während einige Wasser oder Fleischbrühe separat ausweisen, fließen diese Bestandteile bei anderen Produkten teilweise in die Gesamtangabe des Fleischanteils ein.

Dadurch entstehen unterschiedliche Prozentangaben, die sich nicht immer direkt miteinander vergleichen lassen.


Genau dieser Punkt sorgt in der Praxis häufig für Missverständnisse. Viele Hundehalter vergleichen lediglich die Prozentzahl, ohne zu berücksichtigen, wie diese Angabe überhaupt zustande gekommen ist.


Dabei können selbst Zutatenlisten, die auf den ersten Blick sehr ähnlich wirken, unterschiedlich viele Informationen liefern. Manche Hersteller weisen zusätzliche Bestandteile wie Fleischbrühe oder bestimmte tierische Nebenerzeugnisse separat aus, während andere Angaben allgemeiner gehalten sind.


Eine Deklaration ist daher nicht automatisch transparent, nur weil sie vorhanden ist.

Auch innerhalb der Zutatenliste lohnt es sich, genau hinzuschauen und zu prüfen, wie detailliert die einzelnen Bestandteile beschrieben werden.


Ein Futter mit einem höheren Fleischanteil muss deshalb nicht automatisch hochwertiger sein als ein Futter mit einem scheinbar niedrigeren Fleischanteil.

Entscheidend ist immer die gesamte Deklaration.

Aus meiner Sicht ist Transparenz oft wichtiger als die höchste Prozentzahl auf der Verpackung. Denn nur wenn nachvollziehbar ist, wie eine Angabe zustande kommt, lässt sie sich sinnvoll bewerten.


Wer Nassfutter miteinander vergleichen möchte, sollte deshalb nicht nur auf die Prozentzahl achten, sondern immer die vollständige Zutatenliste betrachten.


Infografik zum Vergleich zweier Nassfutter-Deklarationen. Hersteller A gibt 93 % Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (Huhn) an, Hersteller B 69 % Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (Huhn) sowie Fleischbrühe. Trotz deutlicher Unterschiede beim ausgewiesenen Fleischanteil zeigen beide Futtersorten einen nahezu identischen Feuchtigkeitsgehalt (78–79 %) und einen ähnlichen Rohproteingehalt (10–10,8 %). Die Grafik verdeutlicht, dass Prozentangaben allein nicht ausreichen und die Transparenz der Deklaration für die Bewertung eines Futters entscheidend ist.

Fazit: Transparenz schlägt große Zahlen


Hohe Fleischanteile, Frischfleisch oder beeindruckende Prozentzahlen können erste Hinweise auf ein Futter sein. Eine fundierte Bewertung allein anhand dieser Angaben greift jedoch häufig zu kurz.


Wer die Qualität eines Futters wirklich einschätzen möchte, sollte nicht nur auf einzelne Zahlen achten, sondern die gesamte Deklaration betrachten und hinterfragen.


Dabei geht es nicht darum, bestimmte Zutaten grundsätzlich gut oder schlecht zu bewerten. Viel wichtiger ist die Frage, wie transparent und nachvollziehbar die verwendeten Rohstoffe beschrieben werden.

Denn am Ende entscheidet nicht die größte Zahl auf der Verpackung, sondern wie gut man verstehen kann, was tatsächlich dahintersteckt.


Transparenz schlägt große Zahlen.

Nicht die höchste Prozentzahl auf der Verpackung entscheidet über die Qualität eines Futters, sondern wie nachvollziehbar die Zusammensetzung tatsächlich beschrieben wird.



Verfasst von Matthias Schiedt

Team Pinewoodhuskys

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